Entwicklungsbereiche und Bildungsziele

   

Bei uns in der Kinderkrippe erhalten die Kinder ihren individuellen Entwicklungsspielraum. Das heißt, die Kinder werden nach ihren Möglichkeiten und ihrem persönlichen Entwicklungstempo gefördert. Unser pädagogisches Ziel ist es, dem Kind die notwendigen Entwicklungsspielräume zu schaffen.

In jeder Entwicklungsstufe entstehen beim Kleinkind neue Bedürfnisse, die es zu weiteren Entwicklungsschritten veranlasst. Dadurch gelangt es zu neuen Erkenntnissen.

Angebote zur Förderung der Entwicklung setzen immer an den Stärken, Interessen und Bedürfnissen des Kindes an. Um Über- und Unterforderung zu vermeiden, ist eine genaue Beobachtung der Entwicklungsschritte Vorraussetzung. Wichtig dabei sind Gespräche mit den Eltern, die uns wichtige Informationen über ihre Kinder vermitteln.

In jedem Kind liegt die Fähigkeit sich selbst zu entwickeln. Wir als Erwachsene begleiten es dabei partnerschaftlich. Grundgedanke dabei ist: „Soviel Selbständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig.“ Das Kind geht im Spiel fast ausschließlich seinem eigenen Willen und Bedürfnis nach. Intensives, für das Kind befriedigendes Spiel braucht seinen Freiraum, ebenso einen geordneten Rahmen. Die Kinder werden zu Rollen-, Symbol- und Konstruktionsspielen angeregt. Sie entwickeln selbständig Spielthemen, sie sind dabei auf die Hilfe Erwachsener nicht angewiesen. Durch die Freiheit der Wahl des Spiels wird das Kind in lustbetonter Weise zu eigener Initiative und Entscheidung geführt. Im Spiel können sie auch ihre Konflikte ausdrücken und überwinden.

Kinder nehmen mit allen Sinnen wahr. Sie sammeln Erfahrungen im Spiel und entfalten dabei ihre Kreativität. Kinder sind noch unvoreingenommen und deshalb offen für alles: Sie setzen sich lustvoll mit dem Material auseinander, dabei steht die Tätigkeit selbst im Vordergrund und nicht das Endprodukt. Freude am Tun ist das Entscheidende, auf das es ankommt.

Dazu bieten wir Material zur bildnerischen Gestaltung, z.B. Fingerfarben, Kleister, Scheren, Naturmaterial, Knete usw. an. In der angenehmen Atmosphäre der Kinderkrippe erfährt das Kind Geborgenheit und Sicherheit, es findet hier je nach Alter immer wieder neue Entwicklungsanreize.

Eingewöhnung

   

Grundlegender Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit ist die Eingewöhnung. Sie ist die Basis für alle weiteren Vorgehensweisen, die individuell auf das Kind abgestimmt werden. Die Eingewöhnung ist ein aktiver Prozess zwischen Kind, Eltern und Betreuern. Hier es allmählich Vertrauen zu neuen Bezugspersonen und erfährt schrittweise Verlässlichkeit und Sicherheit. Erst dann kann es sich zeitweise von den Eltern trennen.

Erster Informationsaustausch zwischen Eltern und Erzieherin ist das Einführungsgespräch. Hier ist es wichtig, gegenseitige Erwartungen bezüglich der Eingewöhnung abzuklären und sich über die Gewohnheiten des Kindes zu informieren.

Um dem Kind und seinen Eltern eine gelungene Eingewöhnung zu ermöglichen, sollte diese sich zeitlich auf mindestens zwei, maximal vier Wochen erstrecken. Die ersten zwei bis drei Tage der Eingewöhnungszeit bleibt die Mutter bzw. der Vater mit dem Kind zusammen für circa eine Stunde in der Gruppe. Die Anwesenheit der Betreuer gibt dem Kind die Sicherheit, die es braucht, um schrittweise Vertrauen aufbauen zu können. Am dritten bis vierten Tag bleibt das Kind für circa 30 Minuten ohne Elternteil bei der Betreuerin in der Gruppe. Wichtig ist es, dass die Mutter oder der Vater sich vom Kind verabschiedet. Nur so kann die bevorstehende Trennung angekündigt werden und ist somit für das Kind kontrollierbar.

Schrittweise wird die Zeit der Trennung ausgedehnt. Reger Austausch über Bedürfnisse, Gewohnheiten, Rituale und Vorlieben des Kindes erleichtern erheblich die Anpassung an die neue Umgebung. Die Eingewöhnungszeit ist in der Regel als gelungen zu betrachten, wenn sich das Kind von den Betreuern trösten lässt.

Hinweis: Eine Eingewöhnung kann auch unmöglich sein (je nach Eigenheiten eines Kindes und dessen Verlustängsten)!

Auch Eltern brauchen Zeit, um eine Trennung von ihrem Kleinkind zulassen zu können!

Bindungsfähigkeit

   

Bindung ist eine dauerhafte und persönliche Beziehung. Alle Kinder entwickeln in den ersten Lebensjahren eine oder mehrere Bindungen zu nahe stehenden Bezugspersonen.

Nur Kinder, die sich der Beziehung, Geborgenheit und Schutzes sicher sind, können voller Neugier und Selbstvertrauen die Welt erkunden und andere Bezugspersonen zulassen.

Kontaktaufnahme bei Kleinkindern erfolgt hauptsächlich durch die Befriedigung der Grundbedürfnisse: essen, wickeln, sich helfen lassen oder kuscheln wollen. Mit zunehmendem Alter lernen Kinder, auch Frustrationen und Trennungen zu tolerieren, wenn sie die Gewissheit haben, dass es sich auf seine Bezugspersonen verlassen kann.

Das Zusammenspiel von vertrauter Umgebung und vertrauter Bezugsperson ist die beste Voraussetzung für eine sicher Bindung, um loszulassen und sich ganz auf die Umgebung und die anderen Kinder einlassen zu können.

 Gesundheitsförderung

   

Die Kinderkrippe ist als ein Ort der Gesundheitsförderung auf allen Ebenen zu sehen. Die Förderung von Gesundheit im allgemeinen (Ernährung, Körperpflege, Ruhe und Wohlbefinden) ist in der Rahmenkonzeption der Kinderkrippen als wichtiger Baustein verankert.

Gesundheitsförderung ist deshalb unter dem Aspekt des ganzheitlichen, d.h. des physischen und psychischen Wohlbefindens zu sehen. Wir schaffen entsprechende entwicklungsfördernde Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit.

Wir gehen situations- und bedürfnisorientiert auf die Kinder ein. Denn unser Ziel ist es, den Krippenalltag so zu gestalten, dass die Kinder sich wohl fühlen. Gesundheitsvorsorgende Verhaltensweisen können bereits bei uns in der Kinderkrippe spielerisch erlernt werden. Das Kind bestimmt sein eigenes Entwicklungstempo. Unsere Aufgabe ist es, dem Kind die nötige Hilfestellung zu geben. Die Inhalte und Ziele unserer pädagogischen Arbeit setzen an den Stärken des Kindes an. Das stärkt die Eigenständigkeit der Kinder und baut ihr Selbstbewusstsein auf. Dieses hilft, neue Strategien zur Konfliktlösung zu entwickeln und fördert die Kontaktbereitschaft. Nur mit einem gesunden Selbstwertgefühl weiß ein Kind, was ihm im Leben „gut tut“.

Essenssituation

In einer gemeinsamen Brotzeitrunde schmeckt es Kleinkindern bekanntlich besonders gut.

„Soviel Selbständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig“ gilt auch hier! Die Kinder bestimmen selbst, was und wie viel sie essen und trinken wollen und lernen dadurch ihr Hunger-, Durst- und Sättigungsgefühl wahrzunehmen. Durch eine abwechslungsreiche Brotzeit bzw. bestelltes Mittagessen führen wir die Kinder langsam an unterschiedliche Geschmacksrichtungen heran.

Ein Windlicht schafft eine angenehme Atmosphäre. Mit einem gemeinsamen Tischspruch beginnen wir unsere Brotzeit.  Wir pflegen Tischkultur: selbst die Kleineren versuchen alleine zu essen und bleiben dabei sitzen. Durch eigenes Tun erfahren sie das Essen mit allen Sinnen und lernen: Essen macht Spaß!

Dabei lernen die Kinder einen rücksichtsvollen Umgang untereinander, sie warten geduldig bis sie drankommen oder ihnen geholfen wird. Durch die gemütliche Tischrunde wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Wir haben Spaß miteinander, nehmen uns Zeit, wir unterhalten uns und hören einander zu.

Dadurch lernen die Kinder den Wert der Nahrungsmittel auch besser zu schätzen.

Körperpflege

Wenn Kinder im Laufe der Entwicklung ihren Körper entdecken, haben sie zunehmend den Wunsch, eigenständig ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Spaß und Freude bei der Körperpflege sind deshalb wichtige Aspekte zur Förderung der Selbständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Die Kinder gehen selbständig zur Toilette, waschen Gesicht und Hände, cremen sich ein, putzen sich die Nase.

Hierbei lernen die Kleineren von den Größeren durch Beobachtung. Spielerisch wird das An- und Ausziehen geübt, bis es schließlich ohne Hilfe gelingt. Nach und nach lernen die Kinder ihre Körpersignale wahrzunehmen, z.B. kalt, warm, nass, trocken und signalisieren den Wunsch nach einer frischen Windel. Sie helfen mit, indem sie die Windel ausziehen und eine neue bereitlegen. Nur wenn die kindlichen Bedürfnisse und Wünsche beachtet und ernst genommen werden, schaffen wir eine Atmosphäre, in der die Kinder ungezwungen, angstfrei und selbstbestimmend mit ihrem Körper umgehen können.

In diesem sensiblen Bereich kommt das aufgebaute Vertrauen der Kinder zu den Betreuern zum Tragen: Nähe zulassen, sich wickeln und berühren lassen, gemeinsam etwas ausprobieren wollen. Das gute Gefühl, hier ist jemand für mich da, wenn es mir nicht gut geht (volle Windel) od. ich bin nicht allein, wenn ich es nicht alleine kann  (z. B.  beim An- und Ausziehen  oder
beim Toilettengang).

Durch Eigenentscheidung und Mitmachen entwickelt sich ein starkes Selbstwertgefühl: denn nicht mit mir geschieht etwas, sondern ich ziehe mir selbst mit Hilfe eine neue Windel an (deshalb wichtig: Trainerwindel mit Gummizug) oder ich möchte auf die Toilette gehen.
 

Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Größeren auf die Toilette setzen, wird die Kleineren immer öfter animieren, selbst mit auf die Toilette zu gehen.

Um nun die Phase des Mitmachens und Nachahmens voll zu nutzen, haben wir keine Töpfchen, sondern nutzen die Kindertoilette mit Schemel.

Bewegung und Erholung

   

Bewegung ist Leben – Leben ist Bewegung.
Bevor das Kind sprechen lernt, ist Bewegung eine seiner Sprachen. Durch Bewegung lernt das Kind über sich und seine Umwelt. Es greift seine Finger, hält fest, was es nur erwischen kann, beginnt zu rutschen, zu krabbeln, erweitert seinen Erlebnisraum und damit seine Entwicklungsmöglichkeiten

Bewegung ist die Voraussetzung für alle Lebensäußerungen, Nahrungsaufnahme, Fortbewegung, Mimik, Sinneswahrnehmungen und der Sprache.

Das Grundbedürfnis der Kinder ist und bleibt die Bewegung. Kinder, die ihr natürliches Bewegungsbedürfnis ausleben, haben mehr Kontrolle über den eigenen Körper und können auch ihre Gefühle besser ausdrücken. Sie sind deshalb in der Lage, eher mit Konflikten umzugehen. Dies stärkt ihr Selbstbewusstsein. Die Kinder erreichen dadurch ein hohes Maß an persönlicher Freiheit und Widerstandsfähigkeit.

Kleinkinder begegnen sich durch Bewegung und bedeutet deshalb für sie Kontaktaufnahme zu anderen Kindern. Die unmittelbare Umgebung ist dem Spiel- und Bewegungsbedürfnis des Kindes anzupassen. Die Innenräume der Krippe sind deshalb so gestaltet, dass sie den Kindern genügend Bewegungsfreiheit bieten. Im Garten haben die Kinder genügend Gelegenheit zum Krabbeln, Klettern, Laufen, Toben und Balancieren. Sie können mit dem Dreirad, Roller oder Rutscherfahrzeug fahren. In unserem Gelände gibt es in der Natur immer wieder etwas zu entdecken.

Kinder, die sich ausgetobt haben, können sich in Ruhe zurückziehen: Im Haus können das die Kuschelecke, die Schlafgalerie oder auch der Schoß einer Betreuerin sein. Im Garten werden zur Erholung gerne das Spielhaus, das Schaukelnest, eine Decke unter dem Baum oder Tische und Stühle auf der Terrasse genutzt. Für uns ist es wichtig, dass die Kinder das Wechselspiel Erholung und Bewegung bewusst erleben und erfahren.

Spielerfahrungen

   

Vorbedingung für die freie Wahl des Spiels sind, entsprechend gestaltete Räume, die den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes entsprechen. Spielmaterialien wie z.B. Bausteine, Duplo, Nopper, Bilderbücher, Farben und Papier etc. sind dem Kind frei zugänglich und so angeordnet, dass sie Aufforderungscharakter haben und die Kreativität anregen.

Das Spielzeug hat in der Regel einen festen Platz. Die Kinder können so ihr Lieblingsspielzeug leichter finden und sich beim Aufräumen leichter orientieren. Die Räume werden mit Hilfe der Kinder entsprechend gestaltet, Farben und Formen laden dabei zum Betrachten ein.

Die Tische im Zimmer werden für die Mahlzeiten, zum Puzzeln, für Tischspiele, zum Malen und zum kreativen Gestalten benutzt. Auch eine Kuschelecke befindet sich in der Gruppe, in die wir uns zum Bilderbuch anschauen zurückziehen. Eine zweite Ebene im Raum dient uns zur Mittagsruhe.

Das Grundbedürfnis der Kinder ist und bleibt die Bewegung. Der angrenzende, vom Kindergarten aber abgetrennte Garten bietet mit einem Sandkasten mit Spielhaus, einer Zwergen-Nestschaukel und dem Pflaster- bzw. Rasenbereich mit Büschen Kindern verschiedenste Spielmöglichkeiten.

Auch eine Terrasse vor dem Gruppenzimmer lädt zu kleineren Krabbelausflügen oder Fahrten mit dem Rutschauto ein. Für sonstige Bewegungsangebote kann die Turnhalle des Kindergartens mitbenutzt werden.

Sensorische Entwicklung

   

Jedes Kleinkind benötigt für Bewegungserfahrungen alle seine Sinne.

Es bewegt nicht nur sich selbst, sondern setzt auch Gegenstände in Bewegung und experimentiert: Schnuller wegwerfen, Essen fallen lassen, etwas transportieren, aus- oder einräumen.

Im Erfahren der eigenen Sinne erschließt sich das „Lernen am Leben“.

Kleinkinder erobern die Welt mit allen Sinnen: Das Begreifen der Umwelt folgt nach dem Greifen. So wird die Umwelt mit Händen, dem Mund, den Augen, der Nase, den Ohren, dem Körpergefühl und dem Gleichgewichtssinn erlebt und erfasst.

Sehen, hören riechen, schmecken und fühlen: das Kind lernt die Eigenheiten der Gegenstände kennen, sie einzuordnen und aus seinem Erinnerungsschatz als aktive Information wieder abzurufen. Erst heißen alle vierbeinigen Tiere „Wauwau“ – später aus differenzierten Erfahrungen und der Erinnerung heraus kann es ein Pferd oder eine Katze erkennen und benennen.

Sprachliche und soziale Kompetenzen

   

Bereits Säuglinge sind aktiv an der Umwelt interessiert und nehmen Kontakt auf: Sie nehmen Blickkontakt auf, lächeln, schreien und produzieren Laute und merken dabei, dass sich dadurch jemand um seine Bedürfnisse kümmert. Kleinkinder lernen schnell, welche Wirkung sie mit ihren Äußerungen auf andere haben.

Sie erlernen die Sprache durch Experimentieren, Nachahmen und Verstehen. Dies beginnt bereits im Babyalter bei Gesprächen beim Füttern, Wickeln und Anziehen durch die ihm vertraute Bezugsperson.

Erst was sie sinnlich erfasst habe, in den Mund nehmen, anfassen bzw. wegstoßen, lernen sie zu benennen (Ein Ball ist rund, rollt, kann geworfen werden, springt vom Boden hoch).

Durch ihre aufstrebende Mobilität und ihre vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten suchen sie die Nähe der anderen Kinder. Anfangs ist der Kontakt zu anderen Kindern noch sehr viel von Streit und Konflikten gekennzeichnet. Dadurch kann noch kein miteinander im Spielablauf entstehen.

Erst durch das Nebeneinanderspielen nähern sich Kleinkinder permanent an. Allmählich lernen sie, die Regeln des gegenseitigen Nehmens und Gebens, des Abwartens und Drankommens und lernen im Alter von 2-3 Jahren zu sagen, was sie möchten und sich entsprechend zu verhalten und auszudrücken. Dann entwickeln sich allmählich Vorlieben, die spezielle Kontaktaufnahme mit bestimmten Kindern beinhalten.


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